Institutionalisierung der Vernunft

Institutionalisierung der Vernunft

Autor: Dr. Michael Wengraf Erscheinungsdatum: in Vorbereitung

Wo, wann und wie setzte sich das „abendländische“ Paradigma der Rationalität durch? Die „Institutionalisierung der Vernunft“ begibt sich aus marxistischer Perspektive auf die Suche nach Antworten. Dabei ist nicht die „Vernunft“ schlechthin Gegenstand, sondern eine spezielle Ausprägung, die sich gegen andere Varianten von Rationalität etablieren musste. Das Mittel dazu war die genuin europäische Universität wie sie sich im 12. und 13. Jh. herausbildete. Genese von abendländischer Rationalität und Universität durchdringen einander dialektisch.
Die Perspektive für diese Arbeit ergibt sich aus der Zusammenschau von Genese der Universität und Befestigung der Rationalität. Europa firmiert als Wiege einer Rationalitätskultur, die heute in vielfacher Gestalt die Welt beherrscht. Insofern ist Rationalität auch als spezielle Machtpraxis zu verstehen. These ist, dass eine wesenhaft bürgerliche Vernunft Voraussetzung für das permanente Fortschreiten von okzidentaler Expansion war und noch immer ist.
Weil die Rationalität ein Pfeiler der bürgerlichen Gesellschaft ist, bezeichnet der Kampf um sie das Voranschreiten des städtischen Bürgertums. Untersucht wird die Gewordenheit des neuen Wissens, seine Relevanz und seine gesellschaftlichen Legitimierung – in Verbindung mit der Lebenswelt, die es hervorbringt. Zu zeigen ist die Universität als Rahmen, in dem die Vernunft, gemäß den gesellschaftlichen Erfordernissen, modelliert werden konnte. Als Triebkraft fungiert dabei ein frühes, an rationalen Abläufen interessiertes Bürgertum. Es sorgte für eine Ära des Wandels, der sowohl die materiell-ökonomische Ebene wie die der geistigen Reflexion erfasste.

 

 

Autor: Dr. Michael Wengraf, Wissenschaftshistoriker und Journalist, Lektor an der Universität Wien. Veröffentlichte zuletzt: Wege ins Diesseits. Der Einfluss des Averroismus auf Europa und europäisches Denken (2016)

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